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FAQ's (Frequently Asked Questions - Häufig gestellte Fragen)
Letzte Aktualisierung: 9. Mai 2008

Disclaimer: Ohne Disclaimer läuft heute gar nichts mehr und so disclaimen wir eben auch, obwohl das ja eigentlich selbstverständlich ist. Aber man muss sich ja heutzutage vor allen möglichen Gefahren schützen, insbesondere vor amerikanischen Anwälten. Wobei die Frage, ob amerikanische Anwälte eher zur Gattung „Haifisch“ oder zur Gattung „Mensch“ gehören, wissenschaftlich noch nicht abschliessend beantwortet ist. Also: Wir haben die folgenden Antworten nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Aber Irren ist menschlich und selbstverständlich (!) entbindet Sie unsere Zusammenstellung nicht von der angenehmen Aufgabe, bei den Vorbereitungen zum Kauf und beim Kauf selbst eines Schiffes sowie nachher beim Betrieb desselben Ihren gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Wir selbst lehnen freudig jegliche Haftung und Verantwortlichkeit ab, denn schliesslich sind Sie erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Sonst gehören Sie nicht aufs Wasser. Sie sehen, dieser Hinweis ist nicht für amerikanische Anwälte gedacht: Dieselben verfügen nämlich weder über gesunden Menschenverstand noch sind in ihren Augen ihre Klienten für sich selbst verantwortlich.

 

Ich habe nur Mietboot-Erfahrung. Braucht es nicht viel Erfahrung und eine mehrköpfige Mannschaft, um ein Schiff von plusminus 20 m Länge zu führen?
Ein Schiff ist kein Auto und ein Kanal ist keine Strasse, ob Klein- oder Grossschiff. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Kapitän in die Führung eines grösseren Schiffes einweisen. Was bedeutet es für meine Manöver, ob meine Schraube links- oder rechtsdrehend ist? Brauche ich ein Bugstrahlruder? Wann setze ich eine Spring? Und so weiter und so fort.
Prägen Sie sich für alle – ALLE!!! – Manöver die drei Elementarregeln der Schiffsführung ein. Erstens: Langsam! Zweitens: Langsam! Drittens: Langsam! Wenn Sie es nicht glauben, so schauen Sie einem Berufsschiffer zu, wenn er mit seiner Péniche (38 m x 5.05 m) in eine Freycinet-Schleuse (38.5 m x 5.10 m) einfährt. Wann immer bei uns ein Manöver in die Hosen geht, dann nur deshalb, weil wir zu schnell waren.
Ein gutes Schiff ist so gebaut, dass es von zwei Personen manövriert werden kann. Auf dem Canal du Nivernais ist Charlotte sogar mit dem Velo voraus gefahren, um Zugbrücken zu öffnen und Christian fuhr die Schleusenmanöver allein.
   
Wir haben vor, mit unserer Motoryacht von Basel nach Paris und retour zu fahren. Wie berechnen wir die Reisezeiten?
Vorausgesetzt, keine Schleuse ist en panne, kein Kanalabschnitt ist wegen eines Lecks leergelaufen, der Doubs führt kein Hochwasser und alle Kanäle mit Scheitelhaltung haben genug Wasser in den Reservoirseen (prekär, der Winter war sehr niederschlagsarm!), so kann man mit 6 km/h, 20 min pro Schleuse und 6 Stunden Fahren pro Tag kalkulieren. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei den VNF nach allfälligen Sperrungen. Bedenken Sie ferner, dass einige Kanäle, die Sie befahren, eine Mittagsruhe der Schleusenwärter kennen.
   
Wo können wir auf dieser Reise mit unserer Yacht Benzin tanken?
Treibstoff bunkern ist in ganz Frankreich ein Problem. Es gibt relativ wenige Dieseltankstellen direkt am Wasser. Eine Benzintankstelle ist uns überhaupt nicht bekannt. Die meisten Benziner rüsten sich mit Kanistern und einem Rolli aus und tanken an einer Tankstelle in der Nähe des Wassers.
 
Wo können wir auf unserer Reise den Abwassertank leeren? (etwa alle 2 Tage)?
Den Abwassertank kann man überall leeren. Ins Wasser. Es gibt noch sehr wenige Pumpstationen. Am Nivernais ist mir eine einzige bekannt. Das Auspumpen kostet EUR 5.00. Ich habe gefragt, was mit den ausgepumpten Fäkalien geschehe. Antwort: "Wir pumpen sie in den Kanal."
 
Wie bezahlen wir unterwegs?
Bar und mit Kreditkarten. Vergessen Sie nicht, dass Sie für die französischen Gewässer eine Vignette brauchen: www.vnf.fr
 
Wir wollen auf unserer Ferienreise erreichbar bleiben. Uns schwebt Mobiltelefonie vor. Welche Gesellschaft/Abo für einen guten Monat, am besten mit gratis ankommenden Anrufen, damit ich eine Festnetznummer darauf umleiten kann?
Abos für einen Monat gibt es unseres Wissens. nicht. Allenfalls kaufen Sie eine französische Prepaid-Karte. Ankommende Anrufe sind auch dann nicht gratis, wenn Sie eine französische Telefonnummer haben. Natel ist aber nützlich im Verkehr mit den Schleusenwärtern, weil sie auf den kleinen Kanälen keinen Funk haben. Für einen Monat würden wir beim schweizerischen Natel bleiben.
 
Wie haben wir auf dieser Ferienreise Zugriff aufs Internet?
Dafür gibt es in allen grösseren Dörfern ein Internetcafé, hier Cybercafé genannt. Manchmal hat auch das Office de Tourisme Internet. Die französische Tastatur ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig.
 
Was hat sich als Erdanker unterwegs bewährt?
Wir verwenden zwei Systeme: Eine Art übergrosse Häringe sowie Spezialklemmen für Spundwände, die wir haben schmieden lassen. Die Häringe müssen sehr robust sein, weil vorbeifahrende Berufsschiffe einen derartigen Sog erzeugen, dass normal dimensionierte Häringe ausgerissen werden.
   
Welche Ausweise benötige ich?
• In den Niederlanden können Vergnügungsschiffe bis zu 15 m Länge, welche keine höhere Geschwindigkeit als 20 km/h erreichen, ohne Führerschein gefahren werden.
• In Belgien, in Frankreich und in Deutschland sind für die Schiffskategorien, die uns hier interessieren, Ausweise notwendig, welche die Fähigkeit des Inhabers belegen, ein Schiff steuern zu können.

Aufgrund des schweizerischen Führerausweises für Schiffe mit Maschinenantrieb (Kategorie A) stellen die zuständigen kantonalen Schifffahrtsämter ein „Internationales Fähigkeitszeugnis für Führer von Vergnügungsfahrzeugen“ (International certificate for pleasure craft operators) aus. Dieses ist gemäss Resolution Nr. 40 der „Economic Commission For Europe Inland Transport Committee“ der UNO international anerkannt. Allerdings Muss auf dem Ausweis vermerkt sein, dass er konform zur UN/ECE-Resolution Nr. 40 ist.

Klicken für Ausweis-Beispiel (Bild)

• Bezüglich Sprechfunk ist die gesetzliche Situation im Umbruch. Zurzeit sind Führer von Schiffen über 15 m Länge verpflichtet, eine UKW-Station an Bord zu haben. Die Tendenz geht dahin, dass möglichst alle Schiffe mit Sprechfunk ausgerüstet sind. Erwerben Sie zur Sicherheit den „UKW-Sprechfunkausweis für den Binnenschifffahrtsfunk“. Zuständige Behörde ist das BAKOM, Kurse veranstaltet der Schweizerische Schleusenschifferklub (Siehe unter „Links“).
• Ihr Funkgerät bezw. Ihre Funkgeräte müssen über einen ATIS-Code (Automatic Transmitter Identification System) verfügen. Ferner benötigen Sie eine Erlaubnis der zuständigen Behörde (In den Niederlanden die Telecom in Groningen), die Funkstation(en) zu betreiben.
• Für Ihr Schiff benötigen Sie einen Eigentumsnachweis. Das kann ein Flaggenzertifikat sein, ein ICP (International Certificate for Pleasure Craft) oder ein Eintrag im niederländischen Schiffskataster. Wir haben ein ICP und ein Katasterdokument.
Neuere Schiffe benötigen den Nachweis der bezahlten Mehrwertsteuer.
   

Was für ein Schiff kaufe ich?
Die Antwort hängt von Ihren Bedürfnissen und Ansprüchen ab. Was wollen Sie?

Wollen Sie nur die Fahrsaison von April bis Oktober auf dem Schiff wohnen oder wollen Sie ganzjährig darauf leben? Die Antwort hat praktische Auswirkungen auf die Anforderungen an Heizung, Isolation, Generator und Tankkapazitäten.
Wo wollen Sie fahren? Die Antwort hat praktische Auswirkungen auf die Anforderungen an die Schiffsgrösse und die Maschinenstärke.
Wie viele Personen werden mehr oder weniger permanent auf dem Schiff wohnen? Die Antwort hat praktische Auswirkungen auf die Anforderungen an Anzahl Betten, Duschen, Toiletten etc.
Wie gross soll das Schiff maximal sein? Die Antwort hat praktische Auswirkungen auf die Unterhalts- und Versicherungskosten, Hafengebühren etc.)
Wieviel Geld wollen und können Sie für Ihr Boot ausgeben? Sie müssen eine reichliche Reserve für Änderungen und Umbauten einkalkulieren!
Wollen Sie ein neues Boot, ein gebrauchtes Boot oder ein vom ehemaligen Frachtschiff zum Hausboot umgebautes Boot (wie das Unsrige)? Ein neues Schiff ist auf dem neusten Stand der Technik, ein gebrauchtes oder älteres Schiff hat vielleicht versteckte Mängel. Bedenken Sie aber, dass ein neues Boot an Wert verliert, ein klassisches, gebrauchtes Schiff aber an Wert zunimmt, wenn es gut unterhalten wird.
   
Ich bin noch aktiv im Berufsleben, habe aber die Möglichkeit, ortsunabhängig mit Laptop usw. zu arbeiten. Mein Traum ist, auf einem Schiff zu leben und zu arbeiten. Befahren möchte ich die europäischen Wasserstrassen, im Sommer mehr den nördlichen Bereich wie Holland und die Gewässer um Hamburg und Berlin, im Winter möchte ich mich mehr im Süden aufhalten, z. B. Cote d`Azur oder Italien. Ich suche ein Schiff, das idealerweise folgende Voraussetzungen erfüllt: Penichenmass, d.h. kanaltauglich auch in Frankreich, aber auch küstengewässertauglich. Schließlich muss ich meinen Mini dabeihaben, um schnell mal zu Mandanten oder zum nächsten Flughafen fahren zu können, also braucht es auch einen entsprechenden Kran. Da ich Holz liebe, wäre auch ein solches Schiff in Betracht zu ziehen.

Was Deine Vorstellungen betrifft, so tönt das – sorry! - eher nach einer eierlegenden Wollmilchsau als nach einem Schiff!

Ein „autofähiger“ Kran bedeutet beinahe zwingend ein Stahlschiff. Abgesehen davon sind Holzschiffe von einer gewissen Grösse wie schwarze Löcher, in welchen das Geld unkontrollliert verschwindet. Côte d'Azur und Italien befährt man am ehesten mit einer Yacht, aber nicht mit einem Kanalschiff. Einem mittelmeertauglichen Schiff von der Grösse einer Péniche (38 m Länge) sind nicht nur wegen des Tiefgangs, sondern auch wegen der Höhe der Aufbauten viele Kanäle verschlossen.

   
Ist es denn richtig wie ich vermute, dass wenn man sich für das Leben auf dem Wasser entscheidet (ganzjährig), die Kosten dafür in etwa vergleichbar sind mit denen einer Wohnung ähnlicher Größe?
Wenn die Wohnung aus Stahl ist (laufender Unterhalt, periodisch aufs Trockendock), einen Dieselmotor (Treibstoff, Oelwechsel, Filterwechsel), einen Generator (Treibstoff, Oelwechsel, Filterwechsel) und ca. 8 Akkus plus Starterbatterien (Lebensdauer zwischen 5 und 10 Jahren) hat, dann sind die Kosten etwa vergleichbar. Spass beiseite: Die Rechnung ist ziemlich kompliziert: Auf dem Schiff entfällt die Miete und wenn es ein klassisches Schiff oder eine bekannte Markenyacht ist (Linssen o.ä.), bleibt der Wert erhalten. Werterhaltung setzt aber dauernde Pflege voraus. Die Höhe der Unterhaltskosten steht und fällt damit, was Sie selbst an Eigenleistung zu erbringen fähig und gewillt sind.
 
Mit welchen laufenden Kosten muss man bei einem Schiff wie „Kinette“ rechnen?

Die Frage können wir nicht so allgemein beantworten, weil der Dieselverbrauch von der Maschine und der Heizölverbrauch von der Grösse und der Isolation des Schiffs sowie vom Brenner abhängt. Unser DAF 825 braucht zwischen 4 (Marschfahrt auf Kanal) und 6 (Flussaufwärts mit Gegenströmung) Liter/Stunde. Heizöl brauchen wir bei kalter Witterung (nachts etwa -6 Grad) rund 180 Liter/Monat. Unser Brenner ist ein topmoderner Maritime Booster.

Nicht zu vergessen sind die übrigen laufenden Kosten: Allgemeiner Schiffsunterhalt, Versicherung, Kommunikationskosten (TV, Mobiltelefon, Funklizenz), Hafengebühren inkl. Strom und Wasser usw. Hier sind überhaupt keine Angaben möglich, weil namentlich die Schiffsunterhaltskosten stark von der Eigenleistung abbhängen.

   
Kann man mit einem Schiff mit Tiefgang 1.1 m alle europäischen Binnengewässer befahren?
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Einer der untiefsten Kanäle in Frankreich ist der Canal du Nivernais, weil er von der Berufsschifffahrt nicht mehr benützt wird und das Geld fürs Ausbaggern fehlt. Freunde von uns haben ihn im Sommer 2007 mit einer Yacht, Tiefgang 1.15 m befahren, ohne dass sie Probleme gehabt hätten. . Wir selbst hatten mit Tiefgang 1.0 m ohnehin keine Schwierigkeiten. Allerdings mussten wir in gewissen, sehr untiefen Kanalabschnitten manchmal sehr, sehr langsam fahren.
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Viele Yachten haben einen Tiefgang um 1.4 m. Das gibt beim Befahren der meisten Flüsse und Kanäle keine Probleme, wohl aber beim Anlegen an Uferbänken.
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Wenn der Tiefgang für Sie wichtig ist, lassen Sie ihn sich schriftlich zusichern und halten Sie ihn als Kaufbedingung fest. Beim Schiffskauf geht das Schiff ohnehin aufs Trockendock. Lassen Sie hier den Tiefgang überprüfen. Der tiefste Punkt ist in der Regel unter der Schraube.
   
Wo finde ich mein Schiff?
 

Auf dem Internet:
www.dehaanenbroese.nl
www.h2ofrance.com
www.bourgogne-marine.com
www.fikkers.nl
www.sander-doeve.nl
www.botentekoop.nl
www.bowcrest.com
www.bateauxdumidi.com

  In Fachzeitschriften (Frankreich: Fluvial, England: Blue Flag, Niederlande: Boten te koop)
 
Durch spezialisierte Vermittler. Wir fanden unser Schiff dank dem holländischen Vermittler Ruud Thomas, den wir uneingeschränkt empfehlen können (ruudthomas@xs4all.nl).
   
Was kostet ein Schiff?
Eine generelle Antwort ist bei gebrauchten Booten nicht möglich. Unzählige Faktoren beeinflussen den Wert eines Bootes:
Erhaltungszustand
Schiffstechnik
Anzahl und Kapazität der Tanks (inkl. Fäkalientank!)
Inneneinrichtung
Ästhetik
usw.
   
 
Die französische Zeitschrift „Fluvial“ hat in ihrer Ausgabe vom April 2007 eine Art „Eurotax für Schiffe“ veröffentlicht. Für ausgebaute Hausboote, wie sie uns hier interessieren, werden zurzeit folgende Preise (in Euro) bezahlt:
   
  Typ Schiff Länge
Minimalpreis
Durchschnitt
Maximalpreis
  Freycinet 38 m
70 000
241 120
540 000
  Freycinet verkürzt 24 – 30 m
76 000
182 490
285 000
  Aak 18 – 26 m
50 000
180 000
280 000
  Klipper 20 – 25 m
137 000
143 500
150 000
  Luxemotor 18 – 32 m
90 000
188 645
350 000
  Tjalk (klein) 15 – 20 m
67 000
135 270
190 000
  Tjalk (gross) 20 – 26 m
77 000
155 800
310 000
  Schlepper 15 – 30 m
25 000
129 625
278 000
  Diverse 16 – 30 m
55 000
147 450
350 000
   
Wie wird ein Schiffskauf abgewickelt?
Es geht bei einem Schiffskauf, wie Sie an den oben aufgeführten Schiffspreisen ersehen, um viel Geld und zwar um Ihr Geld. Abgesehen von den Fällen (die auch vorkommen), dass ein „Verkäufer“ gar nicht verkaufen, sondern lediglich den Markt testen will, sitzen Sie am längeren Hebel. Sie haben das Geld und der Verkäufer will Ihr Geld. Natürlich könnte man es auch umgekehrt sehen: Sie wollen ein Schiff und er hat es. Aber der Markt ist so gross, dass ein Schiff wirklich einzigartig sein muss (wie unseres, natürlich!), damit der Verkäufer die stärkere Position hat.
1.
Schauen Sie das Schiff innen und aussen so gründlich wie nur irgendwie möglich an. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie nicht drängen. Inspizieren Sie die heiklen Stellen gründlich: Die Unterseite der Matratzen (sind die Betten unterlüftet oder feuchtet es?), Nassräume (Ventilation), die Bilge unter den Nassräumen und unter dem Motor; die Umgebung der Türen und Fenster innen und aussen, Stevenrohrverschluss etc. Merke: Ein Schiff rostet von innen, nicht von aussen!
2.
Am besten ziehen Sie bereits in dieser noch informellen Phase einen erfahrenen Bekannten oder Freund bei. Sie selbst sind vielleicht schon in das Schiff verliebt und Liebe macht bekanntlich blind. Und wer blind ist, übersieht sorgsam zugekittete und übermalte Rostlöcher.
3.
Lassen Sie an einer beliebigen Stelle die Wandverkleidung abschrauben und prüfen Sie den Zustand des Rumpfes von innen. Wie gut ist die Isolation?
4.
Verlangen Sie, dass Generator und Motor gestartet werden und achten Sie auf die Farbe der Auspuffgase (blau: evtl. unvollständige Verbrennung, weiss: evtl. Wasserdampf, schwarz: evtl. Kolbenringe schadhaft). Ziehen Sie im Zweifelsfall einen Mechaniker bei, der die Kompression misst.
5.
Lassen Sie sich die Wartungsunterlagen von Motor und Generator zeigen. Sind Werkstatt-Handbücher vorhanden? Wurden Ölwechsel und Filterwechsel regelmässig gemacht?
6.
Ist der Motorraum gut zugänglich für die täglichen Unterhaltsarbeiten? Wir kennen Leute, die haben ein Schiff gekauft, bei dem zuerst der Fäkalientank demontiert werden musste, wenn man die Duschepumpe reinigen wollte (Wir. Aber wir haben das seither geändert!).
7.
Wie alt sind die Akkus? (Die Lebensdauer von Akkus ist beschränkt und neue Akkus sind teuer)
8.
Schauen Sie hinter Schalt- und Sicherungskästen. Hat hier ein Bastler einen Spaghettisalat angerichtet oder sind alle Drähte und Kabel sowohl korrekt dimensioniert als auch ordentlich beschriftet und verlegt? Ist ein Schaltschema vorhanden?
9.
Lassen Sie Wasser aus einem Hahn laufen. Genügend Druck? Fremdgeschmack? (Trinkwassertanks sind oft veralgt)
10.
Verfügt das Schiff über einen Fäkalientank? (Ist in absehbarer Zeit Vorschrift). Wenn nein, kann ein Tank eingebaut werden und mit welchem Aufwand?
11.
Bestehen Sie unter allen Umständen auf einer Probefahrt. Wie gut ist die Sicht aus dem Steuerstand? (Viele Schiffe sind so verbaut, dass man kaum hinaus sieht!). Ist das Schiff so motorisiert, dass Sie auf einem Fluss oder in einem Gezeitengewässer auch gegen die Strömung ankommen?
12.
Grundsätzlich I: Elementar sind ein gesunder Rumpf und ein gesunder Motor. Alles andere lässt sich mit überschaubarem finanziellem Aufwand richten.
13.
Grundsätzlich II: Alles, was über der Wasserlinie ist, ist „gekauft, wie gesehen“. Mit dem Unterwasserschiff verhält es sich anders.
14.
Stellen Sie sicher, dass der Verkäufer auch wirklich zur Übertragung des Eigentums berechtigt ist. Ist er unbeschwerter Eigentümer? Lastet eine Hypothek auf dem Schiff? Auskunft darüber gibt in den Niederlanden der Schiffskataster.
15.
Der vom Verkäufer angesagte Verkaufspreis ist ein sog. „asking price“ oder, in Holländisch, „vraagprijs“. Im Klartext heisst das, dass der Preis eine Diskussionsgrundlage ist.
16.
Falls Sie sich auf einen Preis geeinigt haben, halten Sie schriftlich fest, was alles darin inbegriffen ist: Inventar, Beiboot, Funkausrüstung etc. In Roanne wurde ein wundervoll möbliertes und ausgestattetes Schiff verkauft. Als es die Käuferin übernahm, war es ausgeräumt.
17.
Halten Sie ebenfalls schriftlich fest, dass Ihre Offerte nur dann gilt, wenn die Expertise des Unterwasserschiffs durch einen von den Versicherungen anerkannten Experten zum Ergebnis hat, dass das Schiff versicherbar ist.
18.
Halten Sie fest, dass die Stahlplatten des Rumpfes überall mindestens 4 mm dick sein müssen (3 mm sind das Minimum, welches Versicherungen akzeptieren – aber 3 mm sind gopfridschtutz dünn!) und dass im Falle des Aufschweissens neuer Stahlplatten diese mindesten 6 mm dick sein müssen.
19.
Falls Sie eine Anzahlung leisten (10 bis 15% sind üblich), zahlen Sie auf ein sog. Anderkonto eines Notars.
20.
Bestehen Sie in jedem Fall darauf, dass ein von Ihnen bestellter Experte das Schiff auf dem Trockendock prüft. Experte und Trockendock inkl. Reinigung des Unterwasserschiffs gehen zu Ihren Lasten. Geben Sie sich nicht und zwar unter keinen Umständen mit einer vom Verkäufer vorgelegten Expertise zufrieden!
21.
Vereinbaren Sie schriftlich, dass alle Reparaturen, welche am Unterwasserschiff gemacht werden müssen (Ersetzen oder Aufschweissen von Stahlplatten, Ruderlager etc.), vom Verkäufer bezahlt werden. Das ist üblich und üblich ist auch, dass Sie dem Verkäufer ein Rücktrittsrecht einräumen, wenn die von ihm zu bezahlenden Reparaturen mehr als 5% oder 10% (beides ist üblich) des vereinbarten Kaufpreises ausmachen.
22.
Holen Sie von verschiedenen Versicherungsgesellschaften Offerten ein. Die Unterschiede sind zum Teil frappant!
23.
Denken Sie daran, dass das oder die Funkgeräte auf Ihren Rufnamen, den Ihnen die zuständige Behörde zuteilt, umprogrammiert werden müssen.
   
Muss man seinen Wohnsitz in der Schweiz beibehalten?

Wir kennen einige Schweizer Ehepaare, die ganzjährig auf ihrem Schiff wohnen, das europäische Kanalnetz befahren und nirgends mehr gemeldet sind. Dementsprechend bezahlen sie auch nirgends Steuern.

Der Haken dabei ist die schweizerische Krankenversicherung, die einen schweizerischen Wohnsitz erfordert. Solange die Krankenversicherung nicht „merkt“, dass die angegebene Adresse in der Schweiz nur eine reine Zustelladresse ist, mag das hingehen. Einige Krankenkassen sind dem Vernehmen nach bereit, Schweizer auch unter diesen Umständen zu versichern. Wir selbst haben in der Schweiz eine kleine Wohnung, damit einen offiziellen Wohnsitz und bezahlen dort Steuern.

   
Braucht man ein ausländisches Bankkonto?

Es geht auch ohne, aber das Leben ist sehr viel einfacher, wenn man in den Ländern, in denen man sich längere Zeit aufhält, über ein Bankkonto verfügt. Man kann dann Versicherungsprämien, Telefonrechnungen, Funklizenzgebühren etc. im Lastschriftverfahren abbuchen lassen. Vor allem riskiert man keine Unannehmlichkeiten wegen verspäteter Zahlungen (man ist ja als „Kanalzigeuner“ nicht so gut erreichbar!). Schliesslich vermeidet man die horrenden schweizerischen Bankgebühren, wenn man z.B. niederländische Werftrechnungen via ein niederländisches Bankkonto bezahlt.

Am schlimmsten ist der bürokratische Hindernislauf in den Niederlanden. Wir verbrachten in Amsterdam drei volle Tage auf der Einwohnerkontrolle, der Fremdenpolizei und dem Steueramt und hätten es ohne die Hilfe des schweizerischen Generalkonsuls in Amsterdam auch dann nicht innert nützlicher Frist geschafft. Es war sehr unterhaltsam.

Frankreich war im Vergleich dazu ein Kinderspiel. Eine Bestätigung des Hafenkapitäns, dass wir im Hafen wohnen und eine halbe Stunde bei einem zuvorkommenden Angestellten der lokalen Bankfiliale genügte.

   
Wie bleibt man unterwegs erreichbar?
Natel: Da wir uns hauptsächlich in den Niederlanden, in Belgien und in Frankreich aufhalten, haben wir für das jeweilige Land eine SIM-Card. Zwar gibt es in der EU keine Staats- und Zollgrenzen mehr. Das ist aber für die Raubritter der Mobiltelefonbranche und die zuständigen Behörden kein Grund, auf Roaming-Gebühren zu verzichten. Wegelagerer hat man früher dieses Gesindel genannt. Prepaid-Nummern laufen in Frankreich und den Niederlanden bei Nichtgebrauch aus, deshalb haben wir Natel-Abonnemente, die im jeweiligen Land per Bank-Lastschriftverfahren abgebucht werden.
Internet: In Frankreich benützen wir eine Vodafone Mobile Connection Card. Für rund 54 Euro im Monat können wir 15 Stunden via UMTS aufs Internet. An vielen Orten gibt es gratis sodann WiFi. In den Niederlanden gelangen wir via Natel aufs Internet.
Post: Wir haben vor unserer Abreise alle Vereine, Verbände etc. gebeten, uns nur noch per Mail zu bedienen. Eine Nachbarin leert periodisch den Briefkasten unserer Wohnung in der Schweiz und schickt uns die Post an die Adresse, die wir ihr jeweils angeben. „Poste restante“ klappt unterschiedlich gut. Postleitzahl und Postamt müssen stimmen!
   
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