Bericht Nr. 8 - Oktober/November 2005
Meerkerk (NL) bis Aalsmeer (NL) via Amsterdam (NL)In Meerkerk, südlich von Utrecht, lagen wir beinahe eine Woche. Aus verschiedensten Gründen: Erstens hatten uns unsere Freunde Frits und Nell von der Shell V hierher eingeladen, zweitens erwarteten wir unseren Sohn sowie Markus, einen Freund der Familie, welche eine Woche als unsere Gäste mitfahren wollten und drittens hatten wir in Meerkerk einen Mechaniker gefunden, der sich unseres Generators annehmen wollte.
Meerkerk ist ein sehr niederländisches, sehr gepflegtes und sehr weitläufiges Dörfchen am Merwedekanal, im grünen Herz der Niederlande. Das Haus unserer Freunde könnte typisch holländischer nicht sein: Ein ehemaliges Bauernhaus, weitläufig, grosszügig, gemütlich und durch ein Schilfdach zuverlässig gegen die Unbilden der Witterung geschützt.
Das Schilfdach war soeben ersetzt worden...
Ehemaliges Bauernhaus in Meerkerk
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Ein frisch renoviertes Schilfdach
Der Rohstoff für Schilfdächer...und der Zufall wollte es, dass wir auf einer unserer Velotouren einem Schilfdachdecker bei der Gewinnung seines Rohstoffs zuschauen konnten.
Dabei erfuhren wir auch, dass holländischer Schilf wegen des sauren Regens als zweitklassig gilt. Erstklassiger Schilf werde aus Rumänien importiert!
Bauernhaus im Schutze des DeichSchilfdächer sind eine sehr kostspielige Angelegenheit und müssen alle dreissig Jahre ersetzt werden. Wegen der Feuergefahr sind die Versicherungsprämien entsprechend hoch. Deshalb verschwinden Schilfdächer zunehmend und die Schilfdachdecker haben Nachwuchssorgen.
Auch von Meerkerk aus unternahmen wir ausgedehnte Velotouren. Die schönsten Velowege sind auf den Deichen angelegt. Hinter diesen Deichen ducken sich die Häuser wie in der Schweiz hinter den Lawinenverbauungen.
Der Merwedekanal – wie das Bild eines alten holländischen MeistersDenjenigen unter unseren Lesern, welche die Niederlande ebenfalls per Schiff befahren, können wir sowohl den Merwedekanal als auch unsere nachfolgende Route wärmstens empfehlen.
Von Meerkerk aus fuhren wir auf dem Merwedekanal in nördlicher Richtung nach Vianen, wo wir einen der grossen Flüsse der Niederlande, den Lek, überquerten. In Nieuwegein fanden wir in einem Seitenkanal einen ruhigen Liegeplatz für eine Nacht.
Am nächsten Tag standen wir vor der Entscheidung, ob wir mitten durch die Stadt Utrecht hindurch fahren oder sie umfahren sollten. Nach intensivem Kartenstudium entschlossen wir uns, Utrecht auf dem Merwedekanal und dem Amsterdam-Rheinkanal zu umfahren.
Der Amsterdam-Rheinkanal ist ausserordentlich stark befahren, vergleichbar mit einer Autobahn. Der Verkehr wird mit Radar überwacht und über Funk gesteuert. Bevor wir vom Merwedekanal aus in den Amsterdam-Rheinkanal einbogen, meldeten wir uns bei der Verkehrszentrale in Maarssen auf Kanal 61 an. Damit hatten wir allen Vorschriften des Binnenfahrtpolizeireglementes genügt und wussten uns überdies in der Obhut der Verkehrszentrale. Dennoch waren wir erleichtert, als wir nach einer Stunde über Steuerbord in das Flüsschen Vecht abbiegen konnten.
Die VechtAllerdings stellte das Abbiegemanöver einige Ansprüche an die Steuerkünste des Kapitäns. Er musste das Schiff in einem 90-Grad Winkel unter einer tiefen und engen Brückendurchfahrt hindurch zaubern, und das alles bei Querströmung und lebhaftem seitlichem Wellengang. Dann aber befanden wir uns auf der Vecht, die als eine der schönsten Wasserwege der Niederlande gilt.
Die parkähnliche Landschaft der Vecht
In ihrem mittleren Teil schlängelt sie sich durch eine parkähnliche Landschaft, wo ein herausgeputztes Schlösschen neben dem anderen am Ufer steht.
Die "Goldküste" der NiederlandenIm 17. und 18. Jahrhundert befanden sich die Niederlande auf der Höhe ihrer Macht: Als See-, als Handels- und als Kolonialmacht. Dieses Zeitalter nennen die Niederländer „Het gouden eeuw“, das goldene Zeitalter. Damals gelangten namentlich Amsterdamer Kaufleute zu grossem Wohlstand. Die prächtigen Stadthäuser in der Heren-, der Prinsen- und der Keizersgracht in Amsterdam genügten ihnen nicht mehr. Deshalb liessen sie sich am Ufer der idyllischen Vecht ihr „Stadhuis buiten“, ihre Sommerresidenz gleichsam, bauen. Diese Residenzen haben alle Wirrnisse überdauert und werden gehegt und gepflegt. Auch wenn das goldene Zeitalter vorbei ist, so darf man doch nicht vergessen, dass die Niederlande auch heute noch eine seefahrende Nation und die Niederländer tüchtige Kaufleute sind (Für viele: Shell, Philips, Unilever), und dass sie noch immer Kolonialmacht sind.
Am Ufer der VechtAls Gäste erleben wir die heutigen Niederlande als ein funktionierendes, sauberes Land mit einer integren und hilfsbereiten Verwaltung.
Allein auf der Vecht - auch in den StädtchenZurück zur Vecht: Gemäss dem Törnführer „Holland 1“ von Jan Werner ist die Vecht im Sommer ausserordentlich stark befahren; man könne schon von einem Gedränge sprechen, besonders in den engen Passagen, die durch die kleinen Städte führen. Wir hatten in zweierlei Hinsicht geradezu unverschämtes Glück: Das niederländische Herbstwetter zeigte sich von seiner allerschönsten Seite und wir hatten die Vecht ganz allein für uns.
Dass es Herbst war, merkten wir allerdings an den kühlen bis kalten Nächten. Sie gaben uns Gelegenheit, unsere thermostatgesteuerte Öl-Zentralheizung zu testen und zu unserer Genugtuung funktionierte sie prächtig.
Nach unserer Routenplanung wollten wir die Vecht bis Weesp befahren, dort über Backbord in die Smalweesp einbiegen, erneut den Amsterdam-Rheinkanal überqueren und dann auf der Weesper Trekvaart Richtung Amsterdam fahren. Zeitlich waren wir etwas früh dran, und da wir mitten in Weesp an der Herengracht – der Name sagt alles – einen wunderbaren Liegeplatz mit Strom und Wasser hatten, blieben wir einige Tage dort liegen.
Liegeplatz an der Herengracht in Weesp
Eigentlich hätten wir diese Zeit gerne in Amsterdam verbracht, doch ohne Generator war dies leider nicht möglich. Für Schiffe unserer Grösse gibt es in Amsterdam keine Liegeplätze mit Landstromanschluss.
Unsere Gäste machten aus dieser Situation das Beste sowie Gebrauch von der direkten Zugverbindung nach Amsterdam und machten einen Tag Landurlaub.
Den Landstrom in Weesp bezogen wir übrigens von einem Münzautomaten, der ungefähr im Zwölfstundenrhythmus gefüttert werden wollte. Schade, waren Sie nicht in Weesp: Sie hätten die Chance gehabt, uns im Halbschlaf morgens um drei Uhr im Pyjama mit einem Euro in der Hand am Quai anzutreffen…
Auch von Weesp aus konnten wir ausgedehnte Velotouren unternehmen, war doch das Ijsselmeer nur etwa zwanzig Minuten entfernt. In Muiden wurden wir im jahrhundertealten Restaurant „Graaf Floris V van Muiden“ mit seinem gemütlich prasselnden Kaminfeuer beinahe Stammgäste. Eigentlich hätten wir noch länger in Weesp bleiben können, doch unsere Gäste fragten unmissverständlich, ob wir hier eigentlich Ehrenbürger zu werden gedächten. Wir verstanden den Wink und warfen am nächsten Morgen im strömenden Regen die Leinen los.
Als Finale furioso unserer Reise hatten wir uns eine Fahrt mitten durch Amsterdam vorgenommen. Zusammen mit unseren Freunden Frits und Nell hatten wir in minutiöser Kleinarbeit eine Route zusammengestellt, die für ein Schiff unserer Grösse fahrbar war. Diese Route gaben wir in unseren Computer ein, der mit einem GPS gekoppelt ist, sodass wir jederzeit wussten, wo wir waren und in welche Gracht wir abbiegen mussten.
Auf dem Weg nach AmsterdamObwohl uns von der Fahrt durch Amsterdam wegen der Überquerung einer sehr stark befahrenen Wasserstrasse abgeraten worden war, liessen wir uns von unserem Vorhaben nicht abbringen. Wir sollten es nicht bereuen.
Über die Nieuwe Herengracht gelangten wir zur Amstelschut-Schleuse. Hier mussten wir uns bei der Amsterdamer Binnenschifffahrtsbehörde anmelden und für die Durchfahrt Hafengeld bezahlen. Da wir auf unserem Schiff wohnen, kamen wir in den Genuss eines reduzierten Tarifs von € 2.98. Das war der mehr als bescheidene Eintrittspreis zu einem der faszinierendsten Abschnitte unserer fünfmonatigen Reise. Auf unserer Fahrt quer durch Amsterdam wurde eine Brücke nach der anderen für uns gehoben.
Hebebrücken von AmsterdamVon der bereits erwähnten Weesper Trekvaart bogen wir in die Amstel ein, welche Amsterdam seinen Namen gegeben hat.
Beim Funkverkehr mit der Amsterdamer BinnenschifffahrtsbehördemEin kurzer Anruf über Funk genügte jeweils, um den gesamten Verkehr – Strassenbahn, Autos, Velos und Fussgänger – lahm zu legen. Zu Zeiten der Weimarer Republik hatte der Streikslogan der Kommunistischen Partei Deutschlands gelautet: „Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will“. Dies kam uns unwillkürlich in den Sinn, als der gesamte Verkehr warten musste, bis wir die Brücke passiert hatten.
Oops!Der Kapitän genoss offensichtlich die nicht ganz einfache Fahrt durch die engen und gewundenen Grachten. Dazu kam, dass hier ein reger Verkehr von Rundfahrtbooten herrschte. Als wir Stunden später wohlbehalten in unserem Heimathafen in Aalsmeer angekommen waren, offenbarte der Kapitän, warum er diese Fahrt so sehr genossen hatte: Nicht einmal als Regierungsrat habe er es geschafft, den Verkehr einer Millionenstadt – wenn auch nur für ein paar Minuten – aufzuhalten. Allerdings ist das, was für unseren Kapitän so genussvoll war, für die Amsterdamer Alltag. Der guten Ordnung halber halten wir fest, dass wir den Brückenwächtern auch dann Meldung machten, wenn wir nach unserer Berechnung unter einer Brücke durchfahren konnten, ohne dass sie gehoben werden musste. Dabei wurde es einmal ziemlich knapp.
Der Hafen von AmsterdamAls eigentliches Gesellenstück und Lehrabschlussprüfung haben wir indes die Fahrt durch den Hexenkessel des Amsterdamer Hafens erlebt. Zum dichten Schiffsverkehr auf dem Nordseekanal gesellten sich Fährboote, Tragflügelboote und Hafenschlepper. Diese Schifffahrtsstrasse hatten wir bei starkem Regen, kräftigem Wind und hohem Wellengang überqueren müssen, um in den „Oude Houthaven“ (Alter Holzhafen) zu gelangen.
Ein Patrouillenboot der Wasserschutzpolizei beobachtete uns dabei aufmerksam und hörte unseren Funkverkehr bei diesem Manöver mit. Schliesslich waren wir mit unserer Schweizerfahne am Heck ziemliche Exoten. Offensichtlich machten wir keine gröberen Fehler, denn die Aufforderung zum Beidrehen blieb aus.
Im Kielwasser von „Enja“ zum Nieuwe MeerBei der nachfolgenden Fahrt durch den nördlichen Teil von Amsterdam zum „Nieuwe Meer“ (Neuer See) konnten wir uns einem Frachtschiff anhängen, für welches alle Brücken zügig geöffnet wurden.
Das verkürzte die von uns berechnete Fahrzeit wesentlich. So kam es, dass wir bereits nach 15.00 Uhr in unserem Heimathafen Aalsmeer einliefen. Hier stellten wir fest, dass im Wellengang des Hafens von Amsterdam vier Gläser zu Bruch gegangen waren. Bekanntlich aber bringen Scherben Glück. Ein freudiges Wiedersehen gab es mit Kapitän Max und seiner Frau Beppi, welche offensichtlich bester Laune soeben in den Hafen einfuhren.
Kapitän Max – immer für einen Spass zu haben
Sommerliches Spätherbstwetter – Ausblick von unserem Liegeplatz
in AalsmeerEigentlich hatten wir beabsichtigt, am nächsten Tag in jene Werft zu fahren, wo unser Schiff 1922 gebaut worden war. Wir haben im Laufe der vergangenen sechs Monate eine Liste erstellt, was wir an unserem Schiff geändert haben wollen. Ein heftiger Herbststurm mit Windstärken von sieben bis acht Beaufort hielt uns aber davon ab. Aber schon am nächsten Tag meldete sich der Altweibersommer mit Tagestemperaturen bis zu 23 Grad zurück – Ende Oktober für die Niederlande phänomenal.
Wir benützten das Prachtswetter für die letzten Unterhaltsarbeiten am Schiff vor der Winterpause. Der Winter dürfte hart werden, besagt doch eine niederländische Bauernregel: „Schijnt in oktober lang de zon, kent de winter geen pardon.“ („Scheint im Oktober lang die Sonn’, kennt der Winter kein Pardon“).
Entrosten mit Schlackenhammer und Stahldrahtbürste
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Auf den Rostschutz wird die klassische dunkelgraue Deckfarbe aufgetragen
Der Generator geht in die ReparaturAnfangs November fuhren wir noch einmal auf der Ringfahrt des Harlemmermeerpolders nach Oude Wetering in die Werft, um den Generator ausbauen zu lassen. In dieser Werft war übrigens unser Schiff 1922 als Frachtschiff gebaut und 1996 umgebaut worden. Hier wollen wir anfangs 2006 einige Modifikationen an unserem Schiff vornehmen lassen.
Segelschüler beim Treideln im „Rössligschirr“Auf unserer Fahrt in die Werft begegneten wir einer Gruppe Segelschüler. Sie treidelten eine grosse Segeltjalk, die sie nicht segeln konnten, weil ihnen der Wind direkt von vorne auf die Nase blies.
Eine Tjalk wird getreideltBei diesem Anblick stiegen in Christian Jugenderinnerungen auf. So war er als fünfzehnjähriger Segelschüler in Holland auch im Zuggeschirr gelegen.
Wir hatten in den vergangenen sechs Monaten eine Liste geführt mit den Änderungen, die wir an unserem Schiff vornehmen wollten. Am meisten zu tun geben wird der Umbau der Achterkajüte zur Eignerkajüte mit eigener Dusche und Toilette, Die Kabine, in welcher wir zurzeit wohnen, wird die Gästekabine für Freunde und Bekannte werden.
Unser neues BeibootAuf unserer Liste stand auch das Schlauchboot. Es hatte zum Schiffsinventar gehört. Christian hatte es schon im Frühling verkaufen wollen, diesen Stilbruch wollte er nicht auf dem Achterdeck. Auf ein achtzigjähriges, klassisches Schiff gehöre ein kleines Ruderboot aus Stahl, fand er. Charlotte hingegen wollte das Schlauchboot unbedingt behalten und sich damit – wie ein bekannter Nationalrat und Parteifreund anerkennend sagen würde – einen Mädchentraum erfüllen.
Den ganzen Sommer hindurch hatten wir nun zwar das Schlauchboot auf dem Achterdeck, aber wir brauchten es herzlich selten. Zudem empfand es auch Charlotte zunehmend als hässlich. Da wir wussten, dass Kapitän Max seinem Schlauchboot etwas nachtrauerte, schlugen wir ihm einen Tausch vor: Schlauchboot samt Motor gegen ein altes Stahl-Beiboot mit Elektromotor (das Benzin auf dem Achterdeck war uns immer etwas unheimlich gewesen). Kapitän Max war sofort einverstanden und machte sich auf die Suche. Eine Woche später erschien er strahlend vor Stolz im Hafen. Er hatte in Brabant eines der raren und sehr gesuchten „Beenhakker-Vletjes“ aufgetrieben und war auf unsere Reaktion gespannt. Wir mussten uns nicht einmal höflichkeitshalber verstellen, denn wir waren spontan begeistert. Aus Stahl geschweisst, praktisch unzerstörbar, mit eingeschweissten Luftkästen und daher unsinkbar, genauso hatten wir uns ein Beiboot vorgestellt.In der Winterpause werden wir unsere neue Errungenschaft in den Farben unseres Schiffes streichen und eine Persenning machen lassen.
Aussicht aus unserem „Schlafzimmer“ auf die RingfahrtMittlerweile meldete sich der Spätherbst mit sinkenden Temperaturen, Stürmen und Regenböen an. Zwischendurch schien gelegentlich die Sonne und bescherte uns einen prächtigen Regenbogen.
Während einer Aufhellung zwischen zwei Sturmböen konnten wir einen Wasservogel beobachten, der unentwegt tauchte, kleine Fischchen fing und damit seine Jungen fütterte.
Eine fleissige Fischerin
Die Zeit war gekommen, unser Schiff an seinem Winterliegeplatz sturmfest zu vertäuen und winterklar zu machen: Ölwechsel an Motor und Getriebe, Ersatz von Öl- und Dieselfiltern, Leeren der Wassertanks, der Wasseraufbereitung und aller Wasserleitungen, Ersetzen der Wasserfilter, Durchspülen des Motorkühlwasser-Kreislaufs mit Frostschutz und Schliessen sämtlicher Seeventile. Dann stellten wir den Thermostat der Heizung auf 6 Grad, zogen die Flagge ein, schlossen alle Fenster, Luken und Oberlichter und gingen von Bord. Weil wir das alles zum ersten Mal taten, stand uns Kapitän Max mit Rat und Tat beiseite. Wie hätten wir das nur ohne ihn geschafft? Er brachte uns sogar mit seinem Auto zum nahe gelegenen Flugplatz Schiphol!
Sechs Monate im Ausland sind ja keine lange Zeit. Es reicht gerade, um so vertraut mit dem Euro-Münz zu werden, dass man nicht mehr jedes Geldstück umdrehen muss, um zu wissen, was man in der Hand hat. Aber die Zeit hatte gereicht, dass der Flughafen Zürich keine Baustelle war, sondern, verglichen mit anderen europäischen Flughäfen, ein Schmuckstück. Die Gepäckabfertigung übertraf alles, was wir bisher erlebt haben: Unser Koffer war gleichzeitig mit uns in der Ankunftshalle. Auf der Heimfahrt sahen wir bei Uster einen grossen Verkehrskreisel, der vorher nicht dort gewesen war und am Dorfeingang unseres Wohnortes standen zwei neue Einkaufszentren, ein Aldi und die „Landi“.
In den nächsten Tagen realisierten wir dennoch schnell, dass sich in sechs Monaten eigentlich nichts ändert. Die Krankenkasse kündigt die nächste Prämienerhöhung an, die Swisscom ist noch immer nicht in der Lage, einen bestehenden ADSL-Anschluss innert nützlicher Frist zu reaktivieren („Vierzehn Tage müssen Sie da schon Geduld haben“), die noch immer gleichen Namen stehen unter den noch immer gleichen Leserbriefen zum Flughafen mit noch immer den selben falschen Behauptungen („Transitpassagiere sind unnötig“ – wie wenn ein Flugzeug wegen drei Zürchern und zwei Luzernern nach New York fliegen würde), die Zürcher Stadtverwaltung bringt es noch immer nicht fertig, die weltweit bekannten Bijouterien wirksam vor Rammbock-Einbrüchen zu schützen (Drogenhändler werden pfleglicher behandelt als gute Steuerzahler), jugendliche Secondos rasen noch immer mit gestohlenen Autos umher – aber besser eines stehlen als Hunderte anzünden - (dafür erwischt man dank Lasertechnik neu auch diejenigen, die 53 km/h statt 50 km/h fahren) und im Kantonsrat zeichnet sich der übliche Budgetstreit ab. Mit anderen Worten: Wir fühlten uns sofort wieder zu Hause. Aber jesses, haben wir schlecht geschlafen! Kein Wellengeplätscher, kein sanftes Schaukeln, kein Entengequake!
Wie geht diese Geschichte weiter? Wir werden die kurze Winterpause nutzen, um Verwandte, Bekannte und Freunde zu treffen, die Fahrrouten für das kommende Jahr zu studieren, auf einem Binnen-Frachtschiff als Hilfsmatrosen mitfahren, ein paar Vorträge halten und dann anfangs Februar zurück aufs Schiff – auf zu neuen Ufern.
Davon werden wir in unserem nächsten Bericht erzählen, zusammen mit einem Rückblick auf die vergangenen sechs Monate auf dem Schiff
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