Bericht 101, Mai 2014 – Teil 2

Berlin-Tempelhof – Potsdam – Oranienburg – Zehdenick – Himmelpfort

(Teltowkanal, Havel mit zahlreichen Seen und Verbindungskanälen, Obere-Havel-Wasserstrasse; 175 km; 9 Schleusen, 1 Hebebrücke)

Von Teupitz nach Himmelpfort

Von Teupitz nach Himmelpfort

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In Berlin-Tempelhof kommen Ruth und Peter Vögtlin an Bord. Sie werden uns eine Woche begleiten.

Ruth und Peter Vögtlin begleiten uns eine Woche

Ruth und Peter Vögtlin begleiten uns eine Woche

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Unsere erste Station ist Potsdam, das wir ja schon ausgiebig beschrieben haben (Berichte 98 und 99). Von Potsdam aus fahren wir auf der Havel nach Oranienburg. In der Neuen Schleuse Spandau sorgt ein Mietbootkapitän für Unterhaltung und Aufregung. Seine schneeweisse Kapitänsuniform ist deutlich beeindruckender als seine nautischen Fähigkeiten.

Ein Mietboot legt sich quer ...

Ein Mietboot legt sich quer …

... und dann in die falsche Richtung

… und dann in die falsche Richtung

Die Ruderer im Zweier mit Steuermann, welche mitschleusen, finden das ausgesprochen unlustig, denn unser Operettenkapitän kommt dem teuren Holzboot mehrmals bedrohlich nahe. Aber die abenteuerliche Schleusung verläuft glimpflich.

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Schloss Oranienburg

Schloss Oranienburg

Ein totlaufender Wasserarm, die Oranienburger Havel, führt nach Oranienburg hinein und am Schloss vorbei zum Schlosshafen. Derselbe ist für unsere Grösse ungeeignet, wohl aber der gegenüberliegende Servicehafen. Oranienburg verfügt über ein Schloss mit sehenswertem Museum (alte niederländische Meister, Tapisserien, Porzellan und Silber), einen Hafen mit freundlichem Hafenmeister und die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen.

Der Servicehafen in Oranienburg

Der Servicehafen in Oranienburg

Damit hat es sich, weshalb wir nach einem Tag weiter auf der Havel zu Berg fahren.

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Schleuse Lehnitz

Schleuse Lehnitz

Die erste Schleuse nach Oranienburg ist die Schleuse Lehnitz, die wir ordnungsgemäss am Funk aufrufen. Der Schleusenwärter antwortet umgehend, fragt nach unserer Position und gibt uns dann die üblichen Anweisungen. Dann tönt es aus dem Funkgerät: «Kinette? Sind Sie www.kinette.ch?» Wir bejahen und fragen, woher er unsere Homepage kenne. Er habe schon einige unserer Berichte gelesen, lautet die Antwort.

Christian Hertzer, Schleusenmeister in Lehnitz

Christian Hertzer, Schleusenmeister in Lehnitz

Da Privatgespräche über Funk (ausser auf Kanal 77) unzulässig sind, kommt der Schleusenwärter nach dem Füllen der Schleuse aus dem Kontrollturm zu uns und wir erfahren, wie er überhaupt auf unsere Homepage gekommen ist. Er habe die Foto einer bestimmten holländischen Schleuse gesucht, nicht gefunden und dann gegoogelt. Dabei sei er auf unserer Homepage fündig geworden und habe seither einige Berichte gelesen. Christian Hertzer, jetzt können Sie sogar Ihren Namen googeln und landen wieder auf unserer Homepage!

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Den Tipp, bei Hafenmeister Marcel Schmidt im Stadthafen von Zehdenick anzulegen, haben wir von unserem Freund und Kapitän der «MS Fenna», Christian Würgler.

Das Schiffermuseum in Zehdenick

Das Schiffermuseum in Zehdenick

Zehdenick selbst ist ein kleiner, ruhiger Marktflecken mit einer direkten Bahnverbindung nach Berlin. Ruth und Peter Vögtlin gehen hier von Bord und wir benützen den Dauerregentag zum Wasser bunkern, Lesen, Faulenzen und für einen Besuch des Schiffermuseums.

Im Schiffermuseum

Im Schiffermuseum

Das Museum befindet sich in einem ehemaligen, noch fahrtüchtigen Frachtschiff vom sog. Finow-Mass, also 42.5 Meter lang und etwas über 5 Meter breit.

Ein besonders hübsches Exponat im Schiffermuseum

Ein besonders hübsches Exponat im Schiffermuseum

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Wir befahren die Havel weiterhin zu Berg, also stromaufwärts. Sie windet sich durch eine ziemlich flache, wenig bebaute Landschaft von ganz eigenartigem Reiz.

Die Obere-Havel-Wasserstrasse mäandert durch die Landschaft

Die Obere-Havel-Wasserstrasse mäandert durch die Landschaft

Links und rechts hat es unzählige kleinere und grössere Seen. Keiner ist natürlich, es sind «Stiche«. Hier wurde Ton abgebaut, vor Ort in zahllosen Ziegeleien zu Backsteinen gebrannt und per Schiff als Baumaterial nach Berlin transportiert. «Berlin ist aus dem Kahn gebaut» heisst es deswegen.

Am Aussensteg in Himmelpfort

Am Aussensteg in Himmelpfort

Es ist Auffahrt, auf den Strassen herrscht Stau und wir fahren praktisch allein auf einer Bundeswasserstrasse von Zehdenick nach Himmelpfort am Stolpsee. Das Gefühl ist kaum mehr zu toppen, ausser durch den Sonnenuntergang in Himmelpfort, das seinen Namen zumindest heute abend zu Recht trägt. Wir liegen am Aussensteg des Bootshauses Stolpsee und geniessen das überwältigende Naturschauspiel.

Und zum Schluss noch etwas zum Träumen…

Sonnenuntergang in Himmelpfort am Stolpsee

Sonnenuntergang in Himmelpfort am Stolpsee

Aus dem Logbuch

  • Potsdam. Liegemöglichkeit für grosse Schiffe am West-Ufer bei km 23.5, allerdings ohne Einrichtungen. Für Yachten verschiedene Marinas mit Wasser, Elektrisch und Sanitäreinrichtungen. Kostenpflichtig. Für Sehenswürdigkeiten siehe Internet. (Vor allem natürlich Schloss Sanssouci). Unser unveränderter Gastro-Tip: Fischrestaurant «Der Butt», Ecke Gutenberg-/Jägerstrasse (ca. 15 Fussminuten von der Marina am Tiefen See). Wir lagen in der Marina am Tiefen See. Sehr teuer, aber gepflegt und mit allen Einrichtungen (Elektrisch 16 Ampère) inkl. WLAN. An Wochenenden kann es vom nahen Openair-Konzertgelände sehr (sehr!) laut sein
  • Oranienburg. Schlosshafen in der totlaufenden Oranienburger Havel. Kostenpflichtig. Alle Einrichtungen. Elektrisch (16 Ampère). Wasser. WC. Duschen beim Servicehafen. Bewacht. Alle Einkaufsmöglichkeiten. Sehenswürdigkeiten: Schlossmuseum, KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen.
  • Zehdenick. Stadthafen. Unmittelbar oberhalb der Schleuse Zehdenick hart über Steuerbord. Wasser, Strom (16 Ampère), WC, Duschen. Gutes italienisches Restaurant «Da Vinci» direkt am Hafen. Einkaufsmöglichkeiten (Bäcker, Metzger, Lidl, Kaiser) im Dorf. Schiffermuseum
  • Himmelpfort. Bootshaus Stolpsee. Idyllische Lage. Wasser, Elektrisch (16 Ampère), WC, Duschen. Gutes Fischrestaurant neben dem Bootshaus. Nur rudimentäre Einkaufsmöglichkeiten. Ausgangspunkt für Radtouren. Sehenswürdigkeiten: Das Wohnhaus des Weihnachtsmanns.
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