Bericht 131, September 2016

Vollenhove – Echtenerbrug – Pikmeer – Grou – Âlde Feanen – Leeuwarden

(Friesische Gewässer; 129 Kilometer, 2 Schleusen, 18 Dreh- und Hebebrücken)

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Emsiges Baggertreiben in der Kalenbergergracht

Emsiges Baggertreiben in der Kalenbergergracht

Von Vollenhove aus fahren wir auf der Kalenbergergracht nach Norden durch das Naturschutzgebiet der Weerribben, das wir schon mehrmals befahren und beschrieben haben. Weil wir aber nach Friesland wollen und in der sonst ausserhalb der Hochsaison stillen Kalenbergergracht emsiges Baggertreiben herrscht, fahren wir zügig durch bis nach Echtenerbrug. Dieses Dorf am Tjeukemeer ist nicht nur friesisch, es ist auch ein Mietbootzentrum.

Liegeplätze in Echtenerbrug mit Blick aufs Tjeukemeer

Liegeplätze in Echtenerbrug mit Blick aufs Tjeukemeer

Hier besuchen uns Stefan und Maya Reichling, deren Ex-Bielersee-Schiff «MS Seeland» in Vollenhove liegt. Sie sind mit dem Auto unterwegs und das gibt uns Gelegenheit für einen Ausflug ins nahe Lemmer, wo wir Muscheln mit Fritten essen. Lecker!

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Die Hebebrücke von Follega westlich des Tjeukemeers

Die Hebebrücke von Follega westlich des Tjeukemeers

Nachdem wir uns im gut assortierten SPAR von Echtenerbrug verproviantiert haben, zieht es uns weiter. Wir wollen endlich Friesland pur geniessen und das erlebt man ungefiltert irgendwo draussen an einem stillen Marrekrite-Liegeplatz. Die friesische Stiftung «Marrekrite» unterhält über 3’000 Liegeplätze in der Natur, die man für jeweils 3 x 24 Stunden gratis benützen darf. Es gibt weder Elektrisch noch Wasser, dafür einen soliden Steg und an manchen Ankerplätzen sogar Bojen.

Sloten

Sloten

Munteres Treiben in Sloten

Munteres Treiben in Sloten

Über das Slotermeer fahren wir nach Woudsend und weiter zum Jeltesloot, der Verbindung zwischen Heeg und dem Prinses Margriet-Kanaal.

Marrekrite-Platz am Jeltesloot

Marrekrite-Platz am Jeltesloot

Hier finden wir in einem Seitenarm des Jeltesloots einen Marrekrite-Platz und werden mit einem der nachgerade üblichen prachtvollen Sonnenuntergänge beschert.

Sonnenuntergang am Jeltesloot

Sonnenuntergang am Jeltesloot

Frühstück auf dem Vorderdeck

Frühstück auf dem Vorderdeck

Falls Sie den Jeltesloot nicht auf der Karte finden, so hat das zwei Gründe: Erstens heisst er «Jeltesleat», was friesisch ist und «Jeltegraben» bedeutet. Zweitens heisst er auf der Karte «Johann-Frisokanaal» und das ist uns angesichts dieses idyllischen Gewässers entschieden zu nüchtern.

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An Bord von «KINETTE» sind wir strom-, wasser- und proviantmässig dank Solarzellen, Alternator (beim Fahren) und Generator (als Notnagel), grossen Tanks und zwei Kühlschränken ziemlich lange autonom. Also beschliessen wir, einfach nach dem Lustprinzip zu fahren, die friesische Seenlandschaft, das Wetter und das Leben auf dem Wasser zu geniessen und gegen Abend irgendwo wieder an einem möglichst einsamen Marrekriteplatz fest zu machen.

Liegeplatz Boarnsterhim an der Peanster Ie

Liegeplatz Boarnsterhim an der Peanster Ie

Auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird, lassen wir Sie und uns am Morgenrot an diesem Liegeplatz teilhaben.

Morgenrot an der Peanster Ie

Morgenrot an der Peanster Ie

Am nächsten Morgen biegt eine unter Schweizer Flagge fahrende Yacht um die Landzunge, die Besatzung winkt uns und legt dann, selbstredend, nachdem sie uns um Erlaubnis gefragt haben, für einen Schwatz – nautisch gesagt für einen Klönschnack – längsseits von uns an. Walti und Elsbeth Matter, so heissen die beiden, sind unterwegs ins zwei Kilometer entfernte Grou und dorthin wollen wir an diesem Morgen eigentlich auch.

Besuch von der «ADORNA»

Besuch von der «ADORNA»

In Grou können wir eigentlich nur am Kopfsteg liegen – aber ob der frei ist? Wir vereinbaren deshalb ein «Bäumchen-wechsle-Dich» nach Schiffersart. Walti und Elsbeth fahren voraus, legen am leeren Kopfsteg an und rufen uns an. Wie wir herannahen, machen sie uns Platz und dislozieren in den Yachthafen. Gelernt haben wir das von den Holländern, die sich in Frankreich so truppweise von Gratis-Liegeplatz zu Gratis-Liegeplatz hangeln. Was die können, können wir auch!

Am Kopfsteg in Grou

Am Kopfsteg in Grou

Am Abend lassen wir uns zusammen mit den Matters kulinarisch im «Oostergoo» verwöhnen. Das Interieur ist gemütlich, der Service freundlich und aufmerksam und das Essen hervorragend. Ein echter Anrater!

Das «Oostergoo» in Grou

Das «Oostergoo» in Grou

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Im Nationalpark «Âlde Feanen»

Im Nationalpark «Âlde Feanen»

Nach Grou ist es wieder Zeit für einen Liegeplatz im Grünen. Auf Umwegen fahren wir in den Nationalpark «Âlde Feanen» (friesisch), «Oude Venen» (niederländisch) oder «Alte Moore» (deutsch). Dieses 2300 Hektaren grosse Moorgebiet liegt im Dreieck Leeuwarden – Heerenveen – Drachten. Im riesigen Tieflandmoor gedeihen 450 Pflanzenarten und brüten rund 100 Vogelarten.

Marrekrite-Platz «Kop van Jacobi»

Marrekrite-Platz «Kop van Jacobi»

Im Nationalpark hat es unzählige Marrekrite-Plätze, die jetzt in der Nachsaison praktisch allesamt leer sind. Glücklicherweise kümmert sich das Wetter nicht um Vor-, Haupt- und Nachsaison und so geniessen wir seit längerem und, gemäss Wettervorhersagen, auch auf längere Frist einen herrlichen Altweibersommer.

Das rituelle Morgenbad Ende September

Das rituelle Morgenbad Ende September

Wir tuckern im Entschleunigungs-Modus über spiegelglatte, kleinere und grössere Seen und schliesslich durch den schmalen, schilfbestandenen Rânsleat – «Geht’s da überhaupt noch weiter?» – an dessen Ende, bei der Mündung in einen See, der Liegeplatz «Kop van Jacobi» winkt. Einmal mehr sind wir mutterseelenallein und so beschliessen wir beim abendlichen Apéro auf dem Vorderdeck, hier einen Ruhetag einzuschalten, um uns von den Strapazen des entschleunigten Lebens zu erholen.

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Vom «Kop van Jacobi» mitten in die friesische Hauptstadt Leeuwarden sind es 27 Kilometer, die wir, nunmehr erholt und ausgeruht, in drei Stunden zurücklegen, Zuerst fährt man durch das Dörfchen Warten, wo die kleine Hebebrücke für zwei Euro, die per Holzschuh an einer Angelrute eingezogen werden, gehoben wird, dann auf einem Aquädukt über die Autobahn N 51 und biegt schliesslich in den Van Harinxmakanal ein, der südlich von Leeuwarden verläuft. Die Durchfahrtshöhe der fünf Brücken Drachtsterbrücke, v. Harinxmabrücke , H.R.M.K.-Eisenbahnbrücke, Zwettebrücke und HRM-Eisenbahnbrücke in diesem Teilstück des Van Harinxmakanals ist durchwegs 5.30 Meter. Für Schiffe mit stehendem Mast können sie gehoben werden, dabei muss man aber längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Am westlichsten Zipfel Leeuwardens biegt man hart über Steuerbord in die Harlinger Vaart ein und gelangt so an die Slauerhoffbrücke.

Mit einer Durchfahrtshöhe von 3.50 Metern muss sie für die meisten Yachten gehoben werden. Diese Brücke gehört zu einer sehr stark befahrenen Strasse. Das bedingt längere Wartezeiten.

Unter der Slauerhoffbrücke

Unter der Slauerhoffbrücke

Wir können «KINETTE» mit drei Handgriffen – Mast, Blaue Tafel und Antennenbügel – bis auf 3.18 Meter abbauen und damit an den auf die Brückenöffnung wartenden Yachten vorbeifahren.

Die folgenden Brücken Hermesbrug und Verlaatsbrug müssen allerdings auch für uns gehoben werden, was jeweils sehr zügig geschieht (Funkkanal 84). An der Verlaatsbrug ist das Durchfahrtsgeld von sieben Euro fällig.

An der Westerkade in Harlingen

An der Westerkade in Harlingen

Leeuwarden verfügt an der Ostseite der Westerstadsgracht, der Nordseite der Zuiderstads­gracht und auf beiden Seiten der Noorderstadsgracht über insgesamt rund 300 Liege­plätze, allesamt mit Stromanschluss. Die Liegeplätze an der Westerstadsgracht dürfen nur mit Zustimmung des Hafenmeisters benützt werden, weil es der einzige feste Quai und der «braunen Flotte» (den grossen Segelschiffen) vorbehalten ist.

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Margrit Haupt, Christian (mit Tomatenorden) und Jürg Haupt

Margrit Haupt, Christian (mit Tomatenorden) und Jürg Haupt

Bereits am ersten Abend bekommen wir Besuch von Jürg und Margrit Haupt, die mit ihrer Yacht «MOULE» in Sneek liegen. Sie überreichen Christian den Tomatenorden für erfolgreiches Tomatenzüchten auf dem Deck während Charlottes Aufenthalt in der Schweiz (Immerhin reichte es für einen Teller Tomatensalat mit Mozzarella und Basilikum!).

Christians «Decktomaten»

Christians «Decktomaten»

Gemeinsam gehen wir ins «Le Sandre» zum Nachtessen. Ein kleines, aber feines Lokal mit Fischspezialitäten. Wir können es mit gutem Gewissen in unsere Gastrotipps aufnehmen.

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In Leeuwarden warten wir zwei Tage auf unsere Freunde Kuno, Christina und Lara Müller, welche eine Woche Friesland mit uns geniessen wollen. Das gibt uns ausgiebig Zeit für Streifzüge durch die quirlige friesische Hauptstadt mit ihren wunderschönen alten Gebäuden.

Und zum Schluss noch etwas Erbauliches fürs Gemüt:

«Der Kurs ‹Umgehen mit Enttäuschungen› wird leider nicht durchgeführt»

«Der Kurs ‹Umgehen mit Enttäuschungen› wird leider nicht durchgeführt»

Falls Sie mit der Enttäuschung, dass der Enttäuschungskurs nicht durchgeführt wird, nicht umgehen können, wird Ihnen in der Bar nebenan geholfen:

«Amateur-Psychiater anwesend»

«Amateur-Psychiater anwesend»

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Aus dem Logbuch:

  •  Vollenhove. «Passantenhaven» mit Strom und Wasser (kostenpflichtig), Dusche, WC. Waschmaschine. Liegegebühr Euro 1.20/Meter Schiffslänge. Gute Einkaufsmöglichkeiten (COOP und ALDI). Frisch geräucherte Fische in der Fischräucherei beim Hafen.
  • Echtenerbrug. Liegeplätze vor und nach der Gemeindebrücke. Wir lagen an der Kade des Yachthafens «de Meerkoet». Strom, Wasser, WC, Duschen. Kostenpflichtig. Gut assortiertes Schiffszubehör-Geschäft im Gebäude des Havenkantoors des Yachthafens Merenport. Im Dorf selbst ein grosser SPAR.
  • Grou. Von der Gemeinde Leeuwarden verwaltete Yachthäfen «aan het Pikmaar», «Hellinghaven», «de Nieuwe Kade» und «aan de Sûderkade». Hafengebäude mit Duschen, Toiletten, Waschmaschine/Trockner beim Hafen «aan het Pikmaar». Strom und Wasser an den Stegen (kostenpflichtig), Liegegebühr 1 €/Meter. Einkaufsmöglichkeiten: Kleiner Poiesz-Supermarkt und, etwas versteckt, ein sehr guter Metzger. Gastrotipp: Restaurant Oostergoo. Sehr gemütliche Atmosphäre, aufmerksame und freundliche Bedienung, sehr gepflegte Küche.
  • Leeuwarden. Leeuwarden verfügt an der Ostseite der Westerstadsgracht, der Nordseite der Zuiderstadsgracht und auf beiden Seiten der Noorderstadsgracht über insgesamt rund 300 Liegeplätze, allesamt mit Stromanschluss. Die Liegeplätze an der Westerstadsgracht dürfen nur mit Zustimmung des Hafenmeisters benützt werden, weil es der einzige feste Quai und der «braunen Flotte» (den grossen Segelschiffen) vorbehalten ist. Duschen und Toiletten im Duschengebäude am Ostufer der Westerstadsgracht. Dort wird an einem Automat (nur mit Kreditkarte!) das Liegegeld bezahlt und es kann eine Wertkarte für Strom und Wasser bezogen werden. Leeuwarden wird 2018 UNESCO-Kulturhauptstadt sein. Sehr schöne Altstadt, verführerische Einkaufsgassen. Empfehlenswert: Rundfahrt mit Elektrobooten. Alle Einkaufsmöglichkeiten (Albert Heijn, Jumbo und ALDI).
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Ein Gedanke zu „Bericht 131, September 2016

  1. Hallo Charlotte, hallo Christian,

    An der Stelle wo die Kinette gerade festgemacht ist, sind wir vor genau einer Woche mit unserem Mietboot lang, um in Echtenerbrug gleich hinter der Brücke das Boot wieder abzugeben. Leider war die Woche wieder viel zu kurz und wir haben uns verpasst. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend, irgendwann wird es schon noch einmal klappen.

    Gute Reise,
    Hartmut

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