Bericht 145, September 2017

Lübeck – Lauenburg – Hamburg

(Trave, Elbe-Lübeck-Kanal, Elbe, Hamburger Hafen; 122 km; 8 Schleusen, eine Hubbrücke)

Lübeck – Hamburg (Karte © PC Navigo)

Lübeck – Hamburg (Karte © PC Navigo)

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Seit vielen Jahren verbringen Kuno und Christina Müller mit Tochter Lara jeweils im Herbst eine Woche bei uns an Bord. Als Christian im Herbst 2014 das Elbe-Streckenpatent erwarb, war für sie klar, dass sie bei der ersten Fahrt auf der Elbe nach Hamburg dabei sein wollten (und natürlich durften).

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Dieses Jahr ist es endlich so weit. In Lübeck kommen sie an Bord und wir verbringen alle zusammen noch zwei Tage in der prachtvollen Hansestadt an der Trave.

Frühstück mit Lara, Christina und Kuno Müller an Deck in Lübeck

Frühstück mit Lara, Christina und Kuno Müller an Deck in Lübeck

Lübecks Wahrzeichen: Das Holstentor

Lübecks Wahrzeichen: Das Holstentor

Häuserzeile gegenüber unserem Liegeplatz bei Tag …

Häuserzeile gegenüber unserem Liegeplatz bei Tag …

… und bei Nacht

… und bei Nacht

Sonnenaufgang zum Abschied von Lübeck

Sonnenaufgang zum Abschied von Lübeck

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Die Hubbrücken von Lübeck

Die Hubbrücken von Lübeck

Kuno Müller als Steuermann

Kuno Müller als Steuermann

Beim Auslaufen aus Lübeck lacht uns die Sonne, diesen Sommer eine eher seltene meteorologische Erscheinung. Sie wird sich auch in den nächsten Tagen kaum bis gar nicht mehr zeigen. Noch aber geniessen wir die Fahrt auf dem idyllischen Elbe-Lübeck-Kanal.

Kuno ist ein erfahrener Segler und kennt unser Schiff seit vielen Jahren. Christian übergibt ihm für diese Reise das Steuer, damit er sich dann auf der Elbe auf die Schiffsführung konzentrieren kann – seine eigentliche Aufgabe als Kapitän (oder, etwas weniger hoch­gestochen ausgedrückt, als verantwortlicher Schiffsführer).

Als erste Liegestelle auf dem Elbe-Lübeck Kanal drängt sich die Holzspundwand von Grambek bei Kilometer 32 geradezu auf. Dort haben wir bereits auf der Hinfahrt nach Lübeck zwei Nächte verbracht.

An der Holzspundwand von Grambek

An der Holzspundwand von Grambek

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In Lauenburg können wir mit Zustimmung des Schleusenwärters im Oberwasser der Schleuse die Nacht verbringen. Die nächste Liegestelle für uns wäre erst wieder vor Geesthacht.

Im Oberwasser der Schleuse Lauenburg

Im Oberwasser der Schleuse Lauenburg

Christian hat an Hand der Gezeiten­tabelle ausgerechnet, dass wir etwa um acht Uhr morgens die Schleuse Lauenburg passieren müssen, damit wir eine Stunde später vor der grossen Schleuse von Geesthacht ankommen. Von dieser Schleuse an ist die Elbe Gezeiten­gewässer mit einem beachtlichen Tidenhub (Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser). Christian will zu dem Zeitpunkt durch die Schleuse, an dem in Geesthacht Hochwasser ist, so dass wir mit ablaufendem Wasser nach Hamburg fahren können. Trotz einer Verzögerung bei der Schleuse Lauenburg und einer längeren Wartezeit vor der Schleuse Geesthacht geht die Kalkulation – wie sich bei der Ankunft in Hamburg zeigen wird – perfekt auf.

In der Schleuse Lauenburg

In der Schleuse Lauenburg

Vorbei am Städtchen Lauenburg

Vorbei am Städtchen Lauenburg

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Das Wetter sieht nicht so aus, wie wenn es eine ruhige Fahrt werden würde. Über der Elbe ziehen sich dunkle Wolken zusammen und der Wind frischt auf.

Aufziehendes Gewitter über der Elbe

Aufziehendes Gewitter über der Elbe

Gewitterfront über der Elbe

Gewitterfront über der Elbe

Im Oberwasser der Schleuse Geesthacht

Im Oberwasser der Schleuse Geesthacht

In der Schleuse Geesthacht

In der Schleuse Geesthacht

Während des Schleusens in Geesthacht beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Wir nehmen das mit Gelassenheit hin und der Gewissheit, dass es kein schlechtes Wetter, nur ungeeignete Kleidung gibt.

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Kapitän und Steuermann in voller Konzentration

Kapitän und Steuermann in voller Konzentration

Von Geesthacht bis Hamburg wechselt die Fahrrinne in unregelmässigen Abständen die Flussseite. Zur Kennzeichnung der Fahrrinnenlage sind links und rechts am Ufer Schiff­­fahrts­­zeichen aufgestellt.

Ein roter quadratischer Rahmen bedeutet, dass die Fahrrinne am rechten Ufer verläuft, während ein grüner, auf der Spitze stehender quadratischer Rahmen die Fahrrinne am linken Ufer kennzeichnet. Wenn die Fahrrinne das Ufer wechselt, wird dies am rechten Ufer durch ein gelbes stehendes Kreuz angezeigt, am linken Ufer durch ein gelbes liegendes Kreuz.

Diese Schifffahrtszeichen werden von einer sogenannten Stackmeisterei immer wieder den aktuellen Verhältnissen angepasst. Das heisst aber auch, dass man weder nach Karte noch nach GPS fahren darf, sondern einzig und allein auf Sicht nach den erwähnten Schiff­fahrts­zeichen.

Wenn Sie das begriffen haben, so müssen Sie nur noch sämtliche übrigen Schiff­fahrts­zeichen und alle Ortsnamen an der Strecke auf einer blanken Karte auswendig einzeichnen können. Dann sind Sie reif für das Streckenpatent. Kommt nur noch der in Ihrem Schifferdienstbuch verurkundete Nachweis hinzu, dass Sie die Strecke viermal hinauf und viermal hinunter unter Aufsicht eines Ausbilders befahren haben.

In unserer praktischen Anwendung sieht das so aus, dass Christian als Schiffsführer mit dem Fernglas nach dem nächsten gelben Kreuz auf der Seite, die wir befahren, Ausschau hält, dann nach dem anzupeilenden Kreuz am gegenüberliegenden Flussufer und hernach Steuermann Kuno den einzuschlagenden Kurs angibt. So befinden wir uns immer in der Fahrrinne und laufen nie Gefahr, auf einer Sandbank aufzulaufen.

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Die erwähnte Ausbildung mit dem geballten Wissen des Kapitäns (das musste einfach einmal gesagt sein) und die souveräne Steuermannskunst von Kuno (das auch!) lassen die Fahrt nach Hamburg trotz garstigen Wetters zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

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Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Einlaufen in den Hafen Hamburg

Fünf Stunden nach dem Passieren der Schleuse Lauenburg laufen wir im Hafen Hamburg ein. Unser Ziel ist der Traditionsschiffshafen, direkt neben der Elbphilharmonie. Durch Vermittlung eines Mitglieds der Deutschen Traditions-Motorboot-Vereinigung, der wir ebenfalls angehören, können wir hier für die Zeit unseres Hamburg-Aufenthaltes liegen.

Kaum haben wir im Hafen angelegt, erhalten wir Besuch von der Wasserschutzpolizei. Da wir unter niederländischer Flagge fahren, werden wir samt unseren Passagieren grenz­polizei­lich überprüft. Und weil die Beamten ohnehin an Bord sind, werden die Papiere des Kapitäns und des Schiffs einer minutiösen Kontrolle unterzogen. Selbstverständlich ist alles in Ordnung – Hamburg, wir kommen!

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen (Foto Urs Eberhardt)

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen (Foto Urs Eberhardt)

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen

Der Traditionsschiffshafen im Sandtorhafen

Wie die Bilder zeigen, haben wir den schönsten Liegeplatz in ganz Hamburg!

Aus dem Logbuch

  • Lübeck. Die alte Hansestadt ist eine der schönsten Städte Norddeutschlands. Liegemöglichkeiten in mehreren Yachthäfen. Neu für Motor- und Segelyachten ist der Hansahafen an der Untertrave. Für Traditions­schiffe Liege­möglichkeit im Museums­hafen vor oder hinter der historischen Drehbrücke. Alle Ein­kaufs­möglich­keiten einer Stadt. Angaben zu kulturellen und sonstigen Sehens­würdig­keiten finden sich in den üblichen Reise­führern. Dennoch zwei Tipps. Kulturtipp: Das Hanse­museum an der Unter­trave ist ausstellungs­didaktisch gesehen das modernste und best­gemachte Museum, das wir kennen. Gastrotipp: «Schiffergesellschaft», älteste Gast­stätte Lübecks. Obwohl wir bei Traditions-Gaststätten, die über eine jahrhunderte­alte Vergangenheit und eine entsprechende Innen­einrichtung verfügen, vorsichtig geworden sind, weil man ja auch noch anständig essen und trinken möchte: die «Schiffergesellschaft» ist hervor­ragend geführt.
  • Hamburg. Sportboote pflegen im City Sporthafen neben den St. Pauli Landungs­brücken (beim Feuerschiff) zu liegen. Strom, Wasser und Sanitär­anlagen. Wegen des ununter­brochenen Verkehrs von schnell fahrenden Hafen­fähren und Rundfahrt-Barkassen ist der Sporthafen eine sehr (sehr!) schaukelige Angelegenheit. Eine ruhigere Ausweich­möglichkeit, aber etwas vom Stadtzentrum entfernt, sind die Yachthäfen in der Dove Elbe, einen Seiten­arm der Norder­elbe. Als Traditions­schiff konnte Kinette im Traditions­schiffs­hafen im Sandtor­hafen liegen. Ein­kaufs­möglich­keiten sind Super­märkte in der Nähe der erwähnten Häfen. Alles Wissens­werte über Hamburg findet man in den einschlägigen Reiseführern. Wir haben besucht: Maritimes Museum (beinahe unüber­seh­bare Sammlung von Tausenden wunder­schöner Schiffs­modelle aus allen Epochen sowie von allem, was mit See und Seefahrt zu tun hat), Miniatur-Wunderland (die weltweit grösste Miniatur-Anlage im H0-Mass­stab mit natur­getreu nach­gebauten Regionen samt Modell­eisenbahnen, rollendem Strassen­verkehr sowie startenden und landenden Flugzeugen), Ernst Barlach-Museum und Jenisch-Haus mit eindrücklichen, sehr schön kuratierten Ausstellungen sowie das Musical Aladdin, stell­vertretend für eines der zahlreichen in Hamburg aufgeführten Musicals. Gastrotipp: Das nach Meinung unserer Hamburger Gewährs­leute beste Fisch­restaurant in Hamburg «Alte Helgoländer Fischerstube» am Fischmarkt 4a-c, erreichbar mit der Passagierfähre 62 Halte­stelle Fischmarkt. Wir waren zweimal dort, beide Male war das Essen hervorragend und der Service sehr freundlich. Unbedingt reservieren!
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