Bericht 88, September 2012

Gorinchem – Hardinxveld-Giessendam

(Lingehaven, Boven Merwede, Karnemelksloot; 2 Schleusen, 2 Hebebrücken, 14 km)

Im Karnemelksloot: Kinette ist im Zentrum der Kreise (Karte PC Navigo©)

Im Karnemelksloot: Kinette ist im Zentrum der Kreise (Karte PC Navigo©)

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Anfangs September dislozieren wir von Gorinchem nach Hardinxveld-Giessendam, das – wie Gorinchem – am Rhein liegt, der auf diesem Abschnitt Merwede heisst. Hier sind unzählige Werften und Zulieferbetriebe angesiedelt. Ob man einen Wasserfilter ersetzen muss oder einen neuen Motor einbauen lassen will, ob man sich auf Mass einen luxuriösen Innenausbau schreinern lässt oder einen neuen Unterwasseranstrich braucht – hier gibt es alles und noch viel mehr.

Die entscheidende Frage in solchen Fällen ist immer, wo lässt man was machen und wie findet man die richtigen Handwerkerbetriebe? In diesem Bereich ist Mund-zu-Mund-Empfehlung alles, man kann sich direkt bei Kollegen mit ähnlichen Schiffen oder auf Internetforen erkundigen. Am besten ist es natürlich, wenn man eine Referenzarbeit besichtigen kann. Aber gutes Handwerk allein genügt nicht, hinzu müssen auch Termintreue und Einhalten des Voranschlags kommen. Wir fügen deshalb diesem Bericht anstelle des üblichen Logbuchs eine Liste jener Betriebe in der Gegend um Gorinchem an, die wir aus eigener Erfahrung uneingeschränkt empfehlen können.

Die Betriebe, für die wir uns entschieden haben, liegen alle im Industriegebiet «de Peulen» in Hardinxveld-Giessendam. Dieses Industriegebiet erreicht man über einen Wasserweg namens Karnemelksloot.

Die Peulenschleuse unter der Autobahn A15

Die Peulenschleuse unter der Autobahn A15

Es ist ausgesprochen spannend, wie wir in diesen Wasserweg mit seinem abenteuerlichen Namen («Karnemelksloot» bedeutet «Buttermilchgraben») einfädeln. Gemäss Karte wird der Buttermilchgraben immer enger und wir werden nicht wenden können. Das bedeutet für den Rückweg genau 620 Meter Rückwärtsfahrt zwischen Wohn-Archen und Motorjachten hindurch. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir überall dort, wo wir hineinfuhren, auch wieder hinausfahren konnten. Und Christian liebt diese Herausforderungen, sie sind für ihn das Salz in der Suppe!

Hinter «Aslaug» vor der Zimmerei Drinkwaard

Hinter «Aslaug» vor der Zimmerei Drinkwaard

Noch während wir vom Rhein aus die Peulenschleuse ansteuern, werden wir auf dem Funk aufgerufen. Es ist das dänische Ehepaar Kurt Jensen und Bente Arnild, das mit seiner «Aslaug» ebenfalls im Karnemelksloot liegt und uns auf dem AIS hat kommen sehen. Eine Stunde später liegen wir direkt hinter «Aslaug», welche hier einen Teil ihres Innenausbaus erhält. Den anderen Teil haben Kurt und Bente in jahrelanger Arbeit selbst gemacht. Weil sie uns zum Abendessen einladen, haben wir ausgiebig Zeit, Erfahrungen auszutauschen.

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Wir haben den ganzen Monat September für Reparatur- und Unterhaltsarbeiten reserviert. Während eine Hälfte der Besatzung in die Schweiz fliegt, um Grossmutterfreuden zu geniessen, bleibt die andere Hälfte, so wie es sich für den Kapitän gehört, an Bord.

Im Wesentlichen wollen wir in der Gästekabine die Duschwanne – vielleicht erinnern Sie sich ans Duschwannenrätsel (Bericht Nr. 11) – endlich waagrecht setzen lassen, denn sie wurde seinerzeit, aus welchen Gründen auch immer, so eingesetzt, dass der Ablauf am höchsten anstatt am tiefsten Punkt der Wanne war. Das Wasserschrubben hat zwar durchaus zur sportlichen Ertüchtigung unserer Freunde beigetragen, aber irgendwie war es schon etwas «basic».

Die Duschwanne der Achterkajüte wird (endlich!) auf die richtige Seite schräg gestellt

Die Duschwanne der Achterkajüte wird (endlich!) auf die richtige Seite schräg gestellt

Weiter wollen wir unser Badezimmer komplett neu machen lassen und schliesslich soll das Pully-Problem definitiv gelöst werden (Technischer Anhang zu Bericht 81). Seit Paray-le-Monial fahren wir nämlich mit einer provisorischen Lösung und das wollen wir nicht anstehen lassen.

Die Schiffsschreinerei von Wim Drinkwaard

Die Schiffsschreinerei von Wim Drinkwaard

Die alte Dusche/Toilette wird abgebrochen

Die alte Dusche/Toilette wird abgebrochen

Als Schiffszimmermann für Dusche und Toilette hat man uns mehrfach den Betrieb von Wim Drinkwaard in Hardinxveld-Giessendam empfohlen. Das kommt uns insofern gelegen, als unser Motorenspezialist Martin de Jong, den wir für die Pully-Reparatur vorgesehen haben, seinen Betrieb im gleichen Industriegebiet hat.

Hier soll die neue Dusche/Toilette entstehen

Hier soll die neue Dusche/Toilette entstehen

Die neue Nasszelle wird aufgebaut

Die neue Nasszelle wird aufgebaut

Die neue Dusche

Die neue Dusche

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Von den Umbau- und Reparaturarbeiten gibt es nicht viel zu berichten, ausser, dass sie planmässig voranschreiten, dass alle Handwerker zur vereinbarten Zeit da sind und dass wir mit der geleisteten Arbeit hoch zufrieden sind. Die neue Dusche/Toilette verströmt seit dem Umbau einen diskreten Palisander-Geruch von Jacht-Luxus. Soviel Luxus darf auch auf einem ehemaligen Frachtschiff sein – sicher jedenfalls in Dusche und Toilette!

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Eigentlich dachten wir, wir könnten die Schiffsschreiner sehr sorgfältig instruieren, die Materialien auslesen und sie dann arbeiten lassen, während wir in der Schweiz den Winter verbringen. Aber Wim Drinkwaard versichert uns, es sei alles fertig, bis Charlotte wieder aus der Schweiz zurück sei. Dabei zeigt sich, dass es wichtig war, dass Christian während des Umbaus dabei ist. Wie soll beispielsweise ein Schreiner wissen, welche Stellen hinter einer Abdeckung, wie z.B. Seeventile, Abschliesshahnen, Duschepumpen etc., leicht zugänglich sein müssen und welche nicht? Jetzt hat es an den richtigen Stellen unauffällige Service-Luken. Das wird demnächst wichtig, wenn wir das Schiff winterklar machen. Aber vorher wollen wir noch den hoffentlich schönen Spätherbst geniessen und eine Städtefahrt machen. Davon werden unsere beiden nächsten Berichte handeln.

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Wir haben oben beiläufig erwähnt, Kurt Jensen und Bente Arnild hätten uns auf dem AIS kommen sehen. Sie werden wissen wollen, was es damit auf sich hat. Wir versuchen, das so verständlich wie möglich zu erklären.

Die meisten Berufs- und viele Hobbykapitäne fahren mit einem Navigationsprogramm auf ihrem Computer, welcher mit einem GPS gekoppelt ist. Das Navigationsprogramm liefert unzählige Informationen, wie aktuellen Standort, Durchfahrtshöhen und Betriebszeiten von Hebebrücken, Funkkanäle von Schleusen und Verkehrsposten etc.

AIS und Navigationsprogramm gekoppelt

AIS und Navigationsprogramm gekoppelt

Das AIS (Automatic Information System) ist ein im Schiff eingebauter Transponder, welcher mit einem GPS und einer Sendeantenne gekoppelt ist. Er sendet Position, Schiffsnamen, Schiffsdaten, Fahrgeschwindigkeit sowie weitere Daten und empfängt dieselben Daten von anderen Schiffen. In den Niederlanden sind die grösseren Schleusen, die Verkehrsleitzentralen und die Behörden in den grösseren Häfen ebenfalls mit diesem System ausgerüstet. Es ist zur Zeit noch nicht vorgeschrieben, aber die AIS-Pflicht für Schiffe über 20 Meter in der EU ist absehbar.

Es liegt nahe, die vom AIS gelieferten Daten mit einem Interface auf ein Navigationsprogramm zu überspielen. Das sieht dann so aus wie auf der Karte oben: Sie zeigt nicht nur die Wasserwege, sondern auch die darauf verkehrenden Schiffe, sofern sie über ein AIS verfügen. Fahrende Schiffe sind mit einem Pfeilsymbol abgebildet, wie die nahe am rechten Bildrand fahrende VAR. Der Pfeil ist rot, das bedeutet «Tankerschiff» und daneben ist die Geschwindigkeit angegeben, nämlich 14 km/h. Im linken oberen Bilddrittel fährt die «Jannes Lovers» mit 11 km/h, der blaue Pfeil bedeutet «Passagierschiff». Die blauen, grünen und grauen Rhomben zeigen still liegende Schiffe an.

Es gibt AIS-Geräte der Klasse A und der Klasse B. Die A-Geräte (Kostenpunkt ca. EUR 2’100) sind in den Niederlanden für Schiffe über 20 m Länge bis Ende 2012 zu 100% subventioniert, werden von der Berufsfahrt verwendet und müssen nach dem Einbau zertifiziert werden, die B-Geräte (Kostenpunkt ca. EUR 1’000) werden von der sog. Vergnügungsschifffahrt verwendet, sind nicht subventioniert, müssen nicht zertifiziert sein und können auf jeder Jacht eingebaut werden. Sie unterscheiden sich in der Häufigkeit und dem Informationsgehalt der abgesetzten Meldungen.

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Empfohlene Adressen für Unterhalt, Umbauten und Reparaturen

  • Werft: Jachtwerf Jochum Smid, Rivierdijk 33, 3372 BG Hardinxveld-Giessendam. Tel. +31 (0)184 612 633. Mail: jachtwerfsmid@planet.nl. Zweimannbetrieb. Behandlung des Unterwasserschiffes auf der gedeckten Helling, Reparaturen, Neu- und Einbauten. Absolut termintreu.
  • Motor und Peripherie: Martin de Jong, Scheepsmotoren, Rijshaak 13, 3371 KC Hardinxveld-Giessendam. Tel. Geschäft +31 (0)184 611 247, Natel: +31 (0)6 531 935 92. Mail: dejongscheepsmotoren@hetnet.nl. Einbau neuer und revidierter Motoren, Reparatur und Unterhalt. Kleiner Betrieb, arbeitet zuverlässig und exakt.
  • Elektrisches System: Heuvelman Ship Equipment, Kleine Kanaaldijk 2, 4231 BD Meerkerk, Natel: +31 (0)614 612 616. Mail: info@heuvelman-se.nl. Neuinstallation, Reparatur und Pannendienst für gesamte Schiffselektrik und -elektronik, Generatoren, Funk etc. Victron- und Mastervolt-Agent. Arbeitet sehr exakt und sehr zuverlässig. Wohnt selbst auf einem Schiff.
  • Schiffszimmermann und -schreiner: Wim Drinkwaard B.V., Jacht- en Scheepsbetimmeringen, Nijverheidsstraat 24, 3371 XE Hardinxveld-Giessendam. Telefon Geschäft: +31 (0)184 614 979. Innenausbau von Jachten und Schiffen in höchster Qualität. Sehr gut geführter Betrieb mit motivierten Mitarbeitern.
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