Die korrekte Flaggenführung – eine endlose Diskussion

Liebe Hubers

Im letzten Schleusen­schiffer­heftli ist ein Artikel über die korrekte Beflaggung. Ich war bisher immer der Meinung, dass Schweizer Eigner auch die Schweizer Flagge fahren dürfen, wenn ihr Schiff in einem anderen Land (z.B. Nieder­lande) registriert ist. Der besagte Artikel ist da anderer Meinung.
Danke im Voraus für Eure Antwort und danke auch für Eure super­tollen Artikel.

Susi


Liebe Susi

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Ich habe den Artikel im Schleusen­schiffer auch gelesen. Leider ist er nach meinem Dafür­halten ungenau und verwirrend. Der Autor stützt sich auf das See­rechts­über­ein­kommen (SRÜ) der Vereinten Nationen und wendet dies auf Schweizer Eigner an, die ihr Schiff, wie er schreibt, «in Holland re­gis­trie­ren und dann die Schwei­ze­rische Flagge führen». Nun ist zwar das See­rechts­über­ein­kommen ein in­te­res­san­tes Regel­werk, befasst es sich doch unter anderem mit See­räuberei und dem Trans­port von Sklaven. Aber es gilt aus­drück­lich nur auf Hoher See und ist daher für schweize­rische Eigner von in Holland stationierten Yachten etwa so aktuell wie ein Unter­stüt­zungs­bei­trag für nieder­ländi­sche La­wi­nen­ver­bau­ungen. Yachten in der üblichen Grösse*, die nicht schneller als 20 km/h fahren, müssen in den Nieder­landen gar nicht re­gi­striert werden. Für sie gilt die Regel im «Water­almanak» Band I, wonach die Flagge der Yacht der Na­tio­na­li­tät des Eigners folgt: «De vlag van het yacht volgt de nationaliteit van de eigenaar». Warum der Autor des Artikels im «Schleusen­schiffer» diese Regel nicht einmal erwähnt, weiss ich nicht. Jeden­falls kann man sich als schwei­ze­ri­scher Eigner einer Yacht, die in den Nieder­landen sta­tio­niert ist, getrost darauf berufen und fröhlich die Schweizer­flagge am Heck flattern lassen, auch wenn als Heimat­hafen des Schiffs «Sneek» oder sonst ein schöner, meistens friesischer Ort angeschrieben ist. In der Praxis, im wirklichen Leben – also auf dem Wasser – kümmert sich ohnehin niemand darum, welche Flagge am Heck einer Yacht flattert, solange es nicht eine Piratenflagge ist.

In Deutschland verhält es sich übrigens anders, dort müssen auch kleine Schiffe registriert sein und ebenfalls etwas anderes gilt in den Nieder­landen für Schiffe, welche im sog. Kadaster registriert sind oder registriert sein müssen.

Bei Ausländern ist der Heimat­hafen (der Ausdruck «Registerhafen» ist veraltet) meist der Sitz des Maklers, über den sie das Schiff gekauft haben.

* „Übliche Grösse“ ist bewusst ungenau formuliert, weil es in den Niederlanden zur Registrierungspflicht verschiedene, nicht übereinstimmende Rechtsquellen gibt. Der Dienst Wegverkeer (RDW), welcher hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, sieht eine Registrierungspflicht bei Binnenschiffen über 20 Meter Länge vor.  Das niederländische Bürgerliche Gesetzbuch Buch 8 (Burgerlijk Wetboek Boek 8) nennt in Artikel 785 Ziffer 2 Buchstabe b eine theoretische Wasserverdrängung von 10 Kubikmeter als Grenze. Diese theoretische Wasserverdrängung wird ziemlich kompliziert berechnet. Vereinfacht umschrieben, entspricht die theoretische Wasserverdrängung dem Ladevermögen einer Yacht an Treibstoff, Trinkwasser, Ballast, Vorräten und Hausrat. Pro Schlafstelle werden noch 100 kg dazugerechnet. Überschreitet dieses Ladevermögen 10 Tonnen, ist Registerpflicht gegeben. Nur: Das prüft niemand nach.

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